15. Juli 2021

Erkenntnisse aus einem Jahr Homeoffice

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Nach einem Jahr Remote Work weiss ich, dass Meetings in Jogginghosen auf dem Balkon (meistens) unproblematisch sind, langes Arbeiten ohne Bewegung jedoch nicht. Warum das so ist und was ich sonst noch aus dieser speziellen Situation gelernt habe, erfahren Sie hier.

Vor gut einem Jahr hat für mich das Abenteuer GARAIO begonnen. Mitten im Corona-Lockdown hatte ich das Vergnügen, in einem leeren Büro die Arbeitsplätze meiner Kollegen zu bestaunen. Nach diesem ersten Tag vor Ort in Bern war der Standort aller meiner Meetings immer identisch: Microsoft Teams-Besprechung. Bis dahin hatte ich noch nie so intensiv remote gearbeitet und musste mich deshalb nicht nur an den neuen Arbeitgeber und ans Team gewöhnen, sondern zusätzlich auch an die etwas andere Arbeitsweise. Während dieser intensiven Periode von Remote Work, die glücklicherweise zwischen den Wellen immer wieder unterbrochen wurde, habe ich einige Erkenntnisse mitgenommen, die ich hier teilen möchte.

Routinen sind das Wichtigste

Der Übergang von Arbeit zu Freizeit verbrachte ich pre-Corona immer im Zug mit einem spannenden Buch, einem inspirierenden Podcast oder guter Musik. Jetzt schliesse ich den Laptop und sitze zehn Sekunden später mit der Gitarre auf dem Sofa. Das klingt doch einfach perfekt, so bleibt mehr Zeit für mich. Das stimmt, trotzdem habe ich im letzten Jahr auch mit der nicht so perfekten Seite Bekanntschaft gemacht. Manchmal fällt es einem schwer, abends definitiv mit der Arbeit abzuschliessen. Da helfen mir Routinen und ein geregelter Tagesablauf. Ich versuche, den Übergang von Arbeit zu Freizeit bewusst wahrzunehmen und somit auch im Kopf den Laptop zuzuklappen. Mein Buch lese ich jetzt nicht mehr im Zug, sondern auf meinem Balkon.
Da mir allgemein auch die Inspiration der sogenannten «dritten Orten» wie dem ÖV fehlt, versuche ich, diese Zeiten auf andere Weise als dem täglichen Pendeln zu finden. Möglichkeiten gibt es da viele: Im Park lesen, in der Freizeit den ÖV vermehrt nutzen, in einem Café oder Co-Working-Space arbeiten oder einfach im Garten mit den Nachbarn plaudern. Alle diese Routinen sind wichtig, da sie es mir erlauben, im Homeoffice produktiv und dabei vor allem gesund und glücklich zu sein.

Festwachsen am Schreibtisch bewusst vermeiden

Wenn der Weg von Bett zu Arbeitstisch wie bei mir plötzlich nur noch etwa drei Meter lang ist, hat das neben der fehlenden Grenze zwischen Arbeit und Freizeit noch eine weitere Auswirkung: Weniger Bewegung. Der Weg zum Bahnhof, die Treppen am Bahnhof, der Spaziergang zum Büro und dort diverse kurze Verschiebungen von Raum zu Raum und abends wieder das gleiche Spiel in der Rückwärtsbewegung – all das fällt weg. Was vorher nie wirklich aufgefallen ist, wird beim Blick auf den Schrittzähler evident. Es gab gerade zu Beginn der Homeoffice-Pflicht Tage, an denen ich nicht mehr als 1'000 Schritte machte. Seitdem versuche ich, Sport und Bewegung bewusster in meinen Alltag einzubauen. So gehe ich im Quartier spazieren, esse das Mittagessen im Park oder nehme mir bei schönem Wetter nachmittags Zeit, um schwimmen zu gehen. Das Homeoffice macht solche aktiven Pausen möglich und erlaubt es mir, meine Arbeitszeit individueller zu planen. Ich versuche, diese Möglichkeiten zu nutzen und so zu verhindern, dass ich am Schreibtisch festwachse.

Gute Meetingkultur muss gefördert werden

Eine gute Stimmung im Team entsteht nicht zufällig, sondern muss erarbeitet werden. Während der Arbeit im physischen Office geschieht das bei informellen Meetings an der Kaffeemaschine, beim Testen der Tischtennis-Skills oder beim Blick in die Tupperwaredose des Gegenübers relativ intuitiv und automatisch. Man lernt sich mit jedem Tag besser kennen – nichts ist logischer als das. Gibt es aber plötzlich nicht mehr nur eine Kaffeemaschine, sondern 100, fehlt plötzlich ein Teil dieses natürlichen Prozesses. Damit die spontane Kommunikation und der lockere Austausch auch virtuell stattfinden, müssen gezielt Gefässe dafür geschaffen werden, beispielsweise tägliche gemeinsame Kaffeepausen.

Arbeitseinstellung hängt nicht von Kleidung ab

«Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren!» Diese mittlerweile ikonische Aussage von Karl Lagerfeld kann ich persönlich nicht bestätigen. Über den Einfluss von Kleidung auf die Einstellung wurde schon viel geschrieben und wichtig dabei ist, dass dieser Punkt von all den genannten wohl der subjektivste ist. In meinem Homeoffice-Jahr gab es Tage, an denen ich in Jogginghosen und ungeschminkt auf dem Balkon äusserst produktiv war und solche, an denen mir die Arbeit trotz perfekter Businesskleidung und cleanem Arbeitstisch-Setting viel schwerer fiel. Wenn die Einstellung nicht passt oder man ganz einfach einen wirklich schlechten Tag erwischt, nützt das beste Outfit nichts. Andererseits will ich aber auch nicht abstreiten, dass die Kleidung und das Umfeld natürlich einen Einfluss haben auf meine Motivation – einfach nicht so einen riesigen. An einem sowieso eher harzigen Tag noch in Jogginghosen zu arbeiten, hilft also sicher gar nichts. Sich an so einem Tag aber mit einem bewusst ausgewählten Outfit mehr auf die Arbeit zu fokussieren, kann meiner Erfahrung nach schon einen positiven Effekt haben.

 

Weitere Erkenntnisse und Tipps erwünscht 

Welche Erfahrungen haben Sie im Homeoffice gemacht, welche Tipps und Routinen helfen Ihnen dabei, produktiv und gesund zu sein? Ich bin gespannt auf alle Kommentare und gleichzeitig freue ich mich auf die Zeit, wenn diese Tipps nicht mehr nötig sein werden. 

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