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01. April 2020

Der Onlinehandel ist definitiv im Wandel

E-Business, E-Commerce
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Der Onlinehandel ist definitiv im Wandel. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass in der Schweiz viele Firmen entweder an ihre Grenzen kommen oder von den gesetzlichen Vorschriften massiv eingeschränkt unterwegs sind. Aus meiner Sicht ergeben sich hier vier verschiedene Typen, welche ich nachstehend etwas genauer unter die Lupe nehme.

Für mich unterscheiden sich diese vier Typen wie folgt:

  1. Die Marktleader
  2. Die Kreativen
  3. Die Relauncher
  4. Die Starter

Die Marktleader

Die Situation der Marktleader ist uns ja bestens bekannt. So ruft sogar Brack zu weniger «Onlineshopping» auf und Digitec Galaxus, LeShop, Coop@Home, Microspot und ZurRose sind hoffnungslos über- resp. ausgelastet und stellen täglich neue Mitarbeiter an. Auch kommt die bestehende IT Infrastruktur so an seine Grenzen und manch Omni-Channel-Ansatz musste sich beweisen. Sobald die Normalität wieder im Alltag angekommen ist, geht es ans «Aufräumen» sowie an die Reflektion der eigenen Wertschöpfungskette. Themen wie Produktinformationen (teilweise sehr mangelhaft), Performance des Onlineshops, Organisation der Lager-Logistik sowie der Versand und die Zustellungsmöglichkeiten müssen sicher diskutiert werden.

Hier stellt sich höchstens die Frage der Nachhaltigkeit, denn heute geht es in erster Linie lediglich um die (Grund-) Versorgung. Ob und wie sich hier etwas verändern wird (z.B. vermehrte Berücksichtigung der hiesigen Lieferanten), kann man noch nicht voraussagen. Eines steht jedoch fest - durch das fokussierte Einkaufen der Endkunden, sind nun doch einige Artikel zu Ladenhütern mutiert. So werden wir als Endkunden sicher einen totalen Ausverkauf schon Ende Frühling erleben dürfen (schon heute hat Zalando 50% auf ausgewählt Artikel).

Die Kreativen

Die KMU in der Schweiz (und in den Nachbarländern) haben in der Krise doch eine gewisse Kreativität offenbart. So gibt es Käsereien mit Webcamshopping, Onlinemodeberatung oder gar die Live-Beratung direkt aus dem Laden mit einer Multimediabrille. Auch setzen einige Firmen auf «Teleshopping» via Youtube und können so ihr Expertenwissen mit Tipps & Tricks weitergeben. Ähnlich macht es auch ein Coiffeurgeschäft, welches via den Social Media Kanälen Anleitungen für «Haare schneiden zu Hause» postet. Sollte der Haarschnitt jedoch nicht gelingen, kann man sogleich Gutscheine für die «Wiederherstellung» kaufen. Schöner Nebeneffekt: Die laufenden Kosten werden so teilweise refinanziert. Auch Hotels werden kreativ und bieten ihre Hotelzimmer für gestresste Leute als Homeoffice-Arbeitsplatz an. Apropos Homeoffice; da viele im Homeoffice sind, funktioniert diese Version des Onlinemarketings resp. der Marktpräsenz aus meiner Sicht ganz gut. Auch werden neue Partnerschaften (z.B. bei der Auslieferung) geschlossen oder profitiert von einer Erweiterung der Vertriebskanäle bei einem der zahlreichen Marktplätze (in Deutschland sind nun viele kostenlos). Man hilft sich eben nun gegenseitig! Einverstanden, zu kreative Ansätze wie ein WC-Rollen-Kalkulator sind vielleicht nicht die optimale Lösung.

Diese Firmen haben den Satz «Mut zu Neuem» nicht nur verstanden, sondern auch gleich umgesetzt. Somit zeigt es sich deutlich, dass über eine Transformation «sprechen» nicht reicht, sondern mit kleinen Schritten und neuen Ansätzen etwas verändern und erreichen kann.

Die Relauncher

Einige Branchen laufen derzeit sehr reduziert und haben kaum etwas zu tun. So zum Beispiel nutzen Reiseanbieter die «ruhigere» Zeit, um ihr digitales Angebot zu überprüfen und entsprechend zu optimieren (Stichwort Customer Experience) oder gar zu relaunchen. Auch kommt das Stichwort Plattformen immer wieder zur Sprache und kann möglicherweise mit einer simplen Schnittstelle zu einem Umsatzzuwachs beitragen. Clever finde ich auch den Ansatz, dass man von anderen Branchen nun lernen kann und sich für das eigene Business Gedanken macht. So kann eventuell eine Überprüfung der eigenen Systemlandschaft nicht schaden.

Der (fehlende) Kontakt zu den Kunden wird in der Zwischenzeit von einigen Firmen mit Marketingaktivitäten genutzt. Den Kunden kennen, verstehen und personalisierte Angebote anbieten, ist in der heutigen Zeit ein Muss-Kriterium. Daher sind Umfragen über die bekannten sozialen Medien gerade in der heutigen Zeit wichtig. Jetzt ist in erster Linie nicht Onlineadvertising gefragt, sondern Onlineresearch!

So zum Beispiel hat ein Apparthotel durch Kundenumfragen herausgefunden, dass die Kunden klar mehr Services möchten. Somit wurde nun digital aufgerüstet, um künftigen Kunden via Tablett regionale Spezialitäten anzubieten. Sei es frische Gipfeli zum Frühstück oder Sandwiches für geplante Wanderung oder einen Schnaps zum Abendessen (Nachhaltigkeit & Personalisierung in einem Angebot). So sind sie diese Firmen für den geplanten Ansturm nach der Krise auf jeden Fall gut gerüstet.

Die Starter

Einige Firmen waren bis heute sehr Beratungsresistent oder haben ihre digitalen Vorhaben verschoben. Doch jetzt sieht alles ein bisschen anders aus. Es ist nie zu spät bestehende Prozesse zu automatisieren oder gar ein (neues) digitales Geschäftsmodell zu entwickeln. Wichtig ist jedoch, dass jetzt nicht einfach ein Onlineshop hochgefahren wird und irgendwo ein Mail auslöst. Jetzt braucht es keine 110% Lösung, sondern eine wohlüberlegte und vor allem passende Lösung. Und genau aus diesem Grund ist es bereits HEUTE wichtig, sich erste Überlegungen zu machen und ein Big Picture zu formen. So kann im Herbst das benötigte Budget anhand eines Konzepts beantragt werden und nicht auf irgendwelchen Annahmen.

Freue mich auf einen Kommentar!

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