03. Dezember 2020

Die digitale Transformation ist vorbei

Technologie, Microsoft Azure, Microsoft365, Integrationsplattformen, Power BI, Digital Experience Platform
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Die von Microsofts CEO Satya Nadella propagierte Fokussierung auf "Tech Intensity" liefert einen erstaunlich konkreten Ansatz, um Unternehmen zu digitalen Leadern zu entwickeln. Eine passgenaue Experience Platform kann dies massgeblich unterstützen und beschleunigen.

Anfang 2019 propagierte Satya Nadella, CEO von Microsoft, eine Formel für Technologie-Intensität als Schlüssel für digital erfolgreiche Unternehmen. Diese Formel, mittlerweile in leicht erweiterter Form, ist seither Gegenstand praktisch sämtlicher seiner Keynotes. Lassen wir ihn selbst sprechen, hier der entsprechende Ausschnitt der Microsoft Ignite 2019:

Vision Keynote Highlights | Microsoft Ignite 2019

Die Formel im Überblick

Die mathematische Formulierung dieser Vision wirkt abstrakt, jedoch lässt sich ein durchaus konkretes und für fast alle Unternehmen adaptierbares Modell interpretieren.

In unseren Breitengraden können wir durchaus sagen, dass die viel propagierte digitale Transformation bereits vorbei ist. Auch verstärkt durch die aktuelle Pandemie nutzt heute praktisch jeder Arbeitnehmer digitale Werkzeuge und in praktisch jedem Kundenprozess findet irgendwann eine digitale Interaktion statt. Anstelle der eher unspezifischen Digitalisierung von Tools und Prozessen geht es nun vielmehr darum, die digitalen Tools besser auszunutzen und sich damit stetig Wettbewerbsvorteile zu erarbeiten sowie die digitalen Kompetenzen breiter abzustützen. Hierfür wird oft der Begriff Business Resilience verwendet. Zugegeben, bis jetzt ist da nichts Neues. Die Innovation versteckt sich in der Frage, wie wir dies angehen.

Bis heute wurde IT zumeist von spezialisierten Teams konzipiert, beschafft und Mitarbeitern und Kunden konfektioniert zur Verfügung gestellt. Prozesse und Tools werden so gewissermassen technokratisch vorgegeben. Dies verläuft oft unbefriedigend, aufwändig, schwerfällig und es stellt sich teilweise das Gefühl ein, der schnellen Marktentwicklung nicht gewappnet zu sein.

Der Fokus auf Tech Intensity liefert eine alternative Denkweise: Den internen und externen Nutzenden offenere und flexiblere Werkzeuge bereitstellen und sie so zu befähigen, selbstständiger passgenaue Lösungen zu schaffen. Dazu passt das Mission Statement von Microsoft: "Empower everyone to achieve more".

Konkret geht es also darum, dass möglichst jeder Arbeitnehmer intensiver mit Technologie arbeiten kann. Ein Übergang vom reinen Anwenden hin zum aktiven Gestalten. Dazu einige Beispiele:

  • Arbeitnehmer können selbstständig Daten in ihrem Kontext analysieren, Zusammenhänge herstellen und damit Massnahmen ableiten.
  • Arbeitnehmer können selbstständig wiederkehrende Prozesse automatisieren.
  • Arbeitnehmer können Überwachungen von Datenentwicklungen einrichten oder bestimmte Ereignisse abonnieren und damit ihre Zeit optimaler einsetzen.

Diese Tech Intensity oder auch Technologie-Reife kann als Metrik dafür verwendet werden, wie erfolgreich sich Unternehmen an zukünftige Veränderungen anpassen können. Sie besteht aus den drei Faktoren Technologie-Basis, Anwendungskompetenz und Vertrauen der Nutzer. Nach mathematischen Grundsätzen sollten alle dieser Faktoren möglichst hoch sein, jedoch wird dem Aspekt Vertrauen exponentielle Bedeutung beigemessen.

Microsoft Ignite 2020 - Satya Nadella - Tech Intensity

Capability - Ein durchdachter Bauplan auf einem soliden Fundament

Damit Mitarbeitende innovieren können, ist eine entsprechende technische Grundlage notwendig. Folgende Auflistung bietet eine Übersicht wichtiger Aspekte:

  • Daten, möglichst standardisiert und vernetzbar (homogenisiert).
  • API's mit möglichst standardisierten Integrationspatterns (zum Beispiel bezüglich Authentifikationsmechanismen und Dokumentation) für Datenabfragen und Prozesssteuerung.
  • No/Low Code Tools für Prozesse, Prozessautomatisierungen und Analysen (sogenannte Citizen IT).
  • Kollaborationsmöglichkeiten, welche insbesondere die oben erwähnten Analysen und Prozessabbildungen in geeigneter Form bereitstellen können.

Microsoft liefert hierfür ein umfangreiches Portfolio mit der Power Platform (Power Automate, Power Apps und Power BI), Common Data Service, M365 Kollaborationslösungen sowie Azure für erweiterte Anwendungsfälle. Mit den Microsoft 365 Lizenzen sind diese Tools mittlerweile fast flächendeckend bereits in den Unternehmen vorhanden. Die Herausforderung liegt bei deren Einsetzbarkeit. Diese ist nur gegeben, wenn die Unternehmenssysteme gut mit diesem Ökosystem integriert sind. Was können Sie konkret tun, um dies stetig zu verbessern?

  • Achten Sie bei IT-Vorhaben auf eine enge Vernetzbarkeit mit dem Microsoft Ökosystem und priorisieren Sie entsprechende Integrationsmassnahmen.
  • Fördern Sie den Aufbau zentraler Datenspeicher für Ihre primären Daten (Kunden, Vertriebsstruktur) für Lesezwecke und sorgen sie für eine gute Vernetzbarkeit mit homogenisierten Datenreferenzen. Streben Sie bei IT-Vorhaben eine Integration mit dem Common Data Service an.
  • Achten Sie bei IT-Vorhaben auf einfach zugängliche, dokumentierte API's und streben Sie in grösseren IT-Landschaften ein firmenweites API Management an.
  • Arbeiten Sie an einer konsistenten Umsetzung einer Cloud-Strategie für IT-Vorhaben und setzen Sie dabei möglichst auf den Einsatz von standardisierten PaaS Diensten.

Adoption - Befähigte Mitarbeitende bauen das Unternehmen von morgen

An stetiger Aus- und Weiterbildung führt kein Weg vorbei. Gerade mit No/Low Code Lösungen kann dies aber oftmals gut mit Experimentieren und internen Supportleistungen erreicht werden. Diese sind aber nicht für alle Anwendungsfälle die richtige Wahl. Diese Beurteilung sowie der Umgang damit ist ein Wachstumsprozess. Wie können Sie diesen Kompetenzaufbau unterstützen?

  • Aus Daten gewonnene Erkenntnisse sind oftmals der Schlüssel. Fokussieren Sie initial vor allem auf diesen Aspekt (beispielsweise gezielt Anwendungskompetenzen Power BI aufbauen).
  • Sorgen Sie für eine positive Kultur nach dem Motto "Learning by Doing". Reagieren Sie auf Misserfolge mit mehr Unterstützung, nicht mit Bestrafung der Mitarbeiter (zum Beispiel durch Restriktionen).
  • Versuchen Sie, den positiven Einfluss von Technologie messbar zu machen und aufzuzeigen.
  • Lassen Sie sich gegebenenfalls durch externe Spezialisten begleiten und unterstützen.

Trust - Die Nutzer im Boot haben

Die ganze digitale Power nützt nichts, wenn sie von Nutzern nicht angenommen wird. Und es ist klar: Mit durch Mitarbeitende selbst entwickelten Lösungen können Schwachstellen wie verfälschte Daten, ineffiziente Prozesse oder gar Sicherheitsprobleme leichter entstehen als mit professionell entwickelten Lösungen. Es gilt also, einen angemessenen Umgang zu finden, um nicht in eine Negativspirale zu geraten.

Was können Sie tun, um dies zu unterstützen?

  • Offene Kultur fördern, in der Citizen IT-Lösungen diskutiert, geteilt und konstruktiv begleitet werden.
  • Nutzen Sie die umfangreichen Möglichkeiten zur feingranularen Zugriffssicherung und Monitoring der Cloud-Dienste. So kann einfach und transparent sichergestellt werden, welche Daten wo verwendet werden und welche Prozesse (mittels API's) zugänglich sind.
  • Nutzen Sie die aufkommenden Möglichkeiten der No/Low Code Lösungen für eine kontrollierte Verteilung und etablieren Sie einfache Review Prozesse. Nutzen Sie dabei wo möglich die häufig vorhandenen Testumgebungen ihrer Unternehmenssysteme, um Datenzugriffe und Manipulationen zu prüfen.
  • Etablieren Sie insbesondere für kundenseitig bereitgestellte Lösungen einen angemessenen Release-Prozess und sorgen Sie dafür, dass entsprechende Aktivitäten koordiniert werden. Behalten Sie die Customer Experience im Auge und suchen Sie Unterstützung durch externe Spezialisten.
  • Unterstützen Sie den Bedarf nach Guidelines und Templates und suchen Sie gegebenenfalls Unterstützung bei externen Spezialisten.

Eine Experience Platform als Startgrundlage

Eine Experience Platform Lösung verspricht, dass alle Kundenprozesse zentral orchestriert werden können, respektive dass die Kundenschnittstellen durchgängig mit relevanten Daten und Funktionen versorgt werden können. Im Kern davon steht jeweils eine Datenplattform, in der alle Kundendaten und -Ereignisse zentral und homogen gehalten werden. Wenn dieser Aufbau geeignet mit den Werkzeugen der Mitarbeiter zusammenspielt, dann ist damit ein grosser Schritt beim Faktor Capability gemacht. Ein solche Experience Platform Lösung bringt zudem ein weiterer Vorteil: Alle zukünftigen Erweiterungen in der Kundeninteraktion werden an dieser Platform ausgerichtet und sind damit für Mitarbeitende nahezu automatisch integriert.

Es wird oft gesagt: "Software oder auch Technology is eating the World". Das mag übertrieben sein, denn letztendlich ist es vielmehr die Tatsache, dass Kundenbedürfnisse einfacher, schneller und günstiger befriedigt werden, welches einige Unternehmen zu digitalen Leadern katapultiert. Die Tatsache ist aber, dass nur mit modernster Technologie und entsprechenden Anwendungskompetenzen dieses Mindset entwickelt und die Lösungen feinjustiert werden konnten. Und so gehört die Zukunft den Unternehmen, welche die Tech Intensity stetig ausbauen.

Consultant
jonas.schmied@garaio.com
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